Olli ist Elvis
Das Echo eines Superstars
Ja, lebt denn der alte Elvis noch? Jaaaa, er lebt noch! Zumindest sein Mythos - und natürlich seine Musik. Der Dortmunder Oliver Steinhoff präsentiert sie auf der Bühne in alter Vitalität und gilt deshalb als neuer Stern unter den „Elvis Tribute Artists”. In Deutschland, Europa - und sogar in den USA.
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Man kennt sie als unfreiwillige Lachnummern von Stadtfesten
und Autohauseröffnungen: Elvis-Imitatoren in schlecht sitzenden Glitzerfummeln,
die sich an „Love Me Tender” und „Jailhouse Rock” abmühen. Kommt’s ganz dicke,
thront auch noch ein struppiger Fiffi auf dem Haupt des Künstlers und einzige
Ähnlichkeit mit dem kopierten King ist das überschüssige Körperfett aus dessen
Spätphase. Oliver Steinhoff aus Dortmund packt das Grausen angesichts dieser
„Konkurrenz”, dennoch zählen sie gleich ihm zum riesigen Heer der „Elvis Tribute
Artists”, wie die Presley-Imitatoren international genannt werden. Rund 40.000
gibt es von ihnen auf der ganzen Welt, etwa 500 davon in Deutschland. „Aber nur
maximal 50 davon sind halbwegs professionell, vielleicht zwei bis drei wirklich
gut”, weiß der 34-Jährige. Dass er sich selbst zu Letzteren zählt, kann man
Oliver Steinhoff kaum als großspurige Angeberei anrechnen - Musiker, die schon
mit dem echten Elvis auf der Bühne standen, haben es ihm persönlich bestätigt.
Erst seit vier Jahren tritt der Wahl-Dortmunder als „The Echo of Elvis”
professionell auf, dennoch zählt er bereits zur ersten Riege jener, die den King
musikalisch wieder auferstehen lassen. „Meiner Größe und meinem Aussehen
verdanke ich 50 Prozent meines Erfolges”, verrät der 1,93 m-Mann. Auf der Bühne
macht Steinhoff damit eine so gute Figur, dass ihn dort immer mehr Elvis-Fans
sehen wollen: „Rund 40 bis 50 Auftritte habe ich zurzeit pro Jahr”. Der gelernte
Bauschlosser kann inzwischen von seinen Auftritten als Elvis leben, arbeitet nur
noch gelegentlich als Propagandist für Kosmetikunternehmen wie „Douglas”.
Begonnen hat Oliver Steinhoffs Elvis-Karriere bereits im Kindesalter: „Mit acht
Jahren wurde ich zum Elvis-Fan”, erinnert sich der gebürtige Hesse, „als die
anderen NDW hörten, gab es für mich nur noch Elvis”. Aus passiver Leidenschaft
wird zehn Jahre später schließlich eine aktive: „Mit 18 hab‘ ich mich aus Spaß
zum ersten Mal bei einem Talentwettbewerb angemeldet und bin gleich Vierter
geworden.” Obwohl er mit Auftritten als Elvis-Imitator anschließend bereits
erste kleine Gagen verdient, entscheidet er sich zunächst gegen den King: „Ich
dachte damals, ‚Es gibt so viele Elvis-Imitatoren, da habe ich keine Chance!‘”
Mitte der 1990er Jahre beschließt Oliver deshalb, auf andere Stars umzusatteln
und gibt in der Folge Songs von Frank Sinatra, Tom Jones und Dean Martin zum
Besten. Bis es im Millenniumsjahr schließlich zu einem Schlüsselerlebnis kommt:
„Als ein Bekannter von mir, den ich zwar persönlich, aber nicht so sehr als
Elvis-Interpret schätze, Vize-Europameister bei einem Elvis-Contest wurde, da
habe ich mir gesagt, ‚Das kann ich besser!‘”
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Oliver will es nun wissen und geht den zweiten Anlauf als
Elvis Tribute Artist professionell an. Zwar fährt er mit einem aufwändigen,
selbst organisierten Auftritt im Casino Hohensyburg noch einen Verlust von 2.500
Euro ein, doch sorgt er in Elvis-Kreisen bereits für Aufsehen. Bei einem
anschließenden Engagement in Wien erhält er erstmals Lob aus prominentem wie
berufenem Munde: Nancy Sinatra, 1968 Elvis’ Film- und Duettpartnerin in der
Produktion „Speedway”, bittet ihn nach seinem Auftritt zu sich und versichert
Oliver, er sei besser als die meisten jener Imitatoren, die regelmäßig in Las
Vegas zu sehen seien. Als der Dortmunder kurz darauf gemeinsam mit dem
legendären Elvis-Gitarristen John Wilkinson auf der Bühne steht, heimst er
erneut Komplimente ein. Für Oliver nun Motivation genug, einen großen
Karriere-Coup zu planen: Erneut organisiert er ein Konzert im Casino Hohensyburg
- diesmal gemeinsam mit dem original Backgroundchor, der Elvis bei seinen Shows
in den 1970ern begleitete. Der erste Auftritt der legendären Soulladys „The
Sweet Inspirations” mit einem deutschen Elvis Tribute Artist macht Oliver
Steinhoff auch überregional bekannt.
Heute hat Elvis-Echo Oliver nicht nur zahlreiche, sondern auch prominente Fans.
In München lernte er Wolfgang Fierek, in Wien DJ Ötzi („ein großer Elvis-Fan”)
kennen. In seiner Wahlheimat, dem Ruhrgebiet, wurden u.a. die Schauspieler Armin
und Uwe Rohde zu Freunden, mit Letzterem stand er für die TV-Krimiserie „SK
Kölsch” vor der Kamera.
Manchen Steinhoff-Fans reicht es indes nicht, den Dortmunder Elvis nur auf der
Bühne zu sehen und hinterher ein Schwätzchen mit ihm zu halten - sie wollen
mehr. Angesprochen auf das Thema Groupies, muss Oliver schmunzelnd zugeben: „Ja,
die gibt es.” Es komme durchaus vor, dass ihm nach seinen Shows Telefon- und
Zimmernummern zugesteckt würden. Oliver erklärt sich die Avancen so: „Manch‘
weiblicher Fan überträgt seine Elvis-Leidenschaft eben auf mich.”
Kann passieren, schließlich bemüht sich „The Echo of Elvis” ja auch nach
Kräften, die Illusion zu erwecken, Elvis stünde leibhaftig auf der Bühne. Die
große stimmliche Ähnlichkeit ist dabei ebenso wichtig, wie Auftreten und Outfit.
Acht der typischen „Jumpsuits”, die Elvis bei seinen Auftritten in den 1970er
Jahren trug, hängen bereits bei Oliver im Schrank, weitere sollen dazukommen.
Die verschiedenen Original-Roben mit Namen wie „Cisco Kid” oder „Comet” kosten
in den USA bis zu 5.000 Dollar, nicht nur deshalb fertigt Oliver sie lieber
selbst an: „Ich hatte mal einen gekauften, bei dem sind mir auf der Bühne
sämtliche Strasssteine abgeplatzt.” Zuletzt arbeitete er am bekanntesten
Elvis-Outfit, dem weißen „American Eagle”. 4.000 funkelnde Steine klebte er
dafür mit der Heißklebepistole bombensicher auf maßgeschneiderten Stoff - und
ist sich sicher: „Einen Unterschied zum Original aus den USA kann man definitiv
nicht erkennen.”
Optisch wie musikalisch orientiert sich Oliver bei seinen Auftritten an den
Elvis-Shows von 1969 bis ’73. „Es gibt Fotos von mir, da sehe ich Elvis zum
Verwechseln ähnlich”, ist er stolz. Auch wenn er einschränken muss: „Bis auf die
Gesichtszüge natürlich.” Denn bislang hat sich Oliver nur Haare und Koteletten
wie sein Idol und Vorbild schwarz gefärbt. Würde er auch, wie viele
amerikanische „E.T.A.s”, so weit gehen, sich operieren zu lassen? „Höchstens
meine Nase könnte etwas kleiner sein”, erwidert Oliver nach kurzem Nachdenken,
„aber dann würde ich sie nicht unbedingt so wie die von Elvis haben wollen -
schließlich will ich ja auch weiterhin Oliver Steinhoff bleiben.”
The Echo of Elvis live während der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Dortmund